Ich bin mit Freunden für ein langes Wochenende an der Nordsee verabredet und mache ernst mit der ersten Belastungsprobe. Tesla rauf auf den Autozug. Ab nach Hamburg und dann über die Autobahn nach Niebüll. Vorher habe ich zum ersten Mal die Batterie im „Range-Modus“ aufgeladen, um alles rauszuholen.
Tatsächlich zeigt die Anzeige vor Abfahrt in München eine „Ideal Range“ von 380 km. Umgerechnet auf meine bisherige Fahrweise macht das eine realistische Distanz von ca 250 km. Also Los. Am nächsten Morgen erreiche ich herrlich ausgeschlafen den Bahnhof Altona und habe noch 240 km „realistische Reichweite“ für ca 220 km Strecke. Das kann knapp werden.
Auf der Autobahn pendele ich mich nach einigen kurzen Beschleunigungs-Ausreissern bei knapp 140km/h ein, immer ein Auge auf der KW-Anzeige. Möglichst nicht über 30kw/h verbrauchen. Dann reicht meine Batterie 2 Stunden. Bei einer möglichen Geschwindigkeit von 120 bis 140 kmh kann das genau aufgehen.
Je näher die Autoverladung kommt, desto nervöser werde ich. Die Anzeigen für „Ideal Range“ und „Realistische Reichweite“ nähern sich immer immer mehr an und rasen schnell nach unten. Bei 30 verbleibenden Kilometern gibt der Tesla zum ersten mal Warnung, dass er jetzt die Kraft drosselt, um die Batterie zu schonen. Ein kurzer Anruf bei tesla bestätigt mir, dass die Reichweitenanzeige sehr präzise ist. Nicht wie bei einem Benzintank, in dem auch bei 0 immer noch etwas versteckte Reserven schlummern. Zeigt der Tesla 0, kann man sofort aussteigen. Mit 12 km auf der Anzeige komme ich in Niebüll an.
Als ich in Sylt vom Zug fahre sind es noch 8 km. Bis zum Hotel sind es aber noch 18km. Kein Risiko – denke ich mir, und bitte bei einer Werkstatt neben der Autoverladestelle, ob ich dort den Wagen für eine halbe Stunde aufladen kann. Die Mechaniker sind sehr nett, lassen mich an ihr Netz und verhalten sich so, als wäre es das Normalste in der Welt, dass ein Elektrosportwagen bei ihnen an der Steckdose hängt. Entweder haben hier schon einige Teslas aufgetankt, oder es ist die etwas stoische friesische Art der Jungs, die dazu führt, dass sie keine große Notiz von dem Auto nehmen.
So könnte das also in ein paar Jahren sein, wenn immer mehr Elektro-Autos unsere Straßen bevölkern – denke ich, während ich eine Zeitung lese und auf meine Stromladung warte.
Als die Batterie 20km anzeigt, werde ich wieder mutig und fahre los. Auf der langen geraden Landstraße lande ich hinter einem Porsche Turbo. Ich kann mich nicht zurückhalten, drücke das Gas durch und ziehe pfeilschnell und geräuschlos an dem PS-Monster vorbei. Mein erhabenes Triumph-Gefühl wandelt sich schnell in Panik als ich durch immer wieder neue Warnmeldungen von meinem Wagen daraufhin hingewiesen werde, dass ich der Batterie gerade den Rest gebe. Tatsächlich habe ich genau 1km Reichweite auf dem Display und Schweißperlen auf der Stirn, als ich vor dem Hotel vorfahre. Das Hotel habe ich zum ersten Mal auch nach dem Kriterium ausgesucht, ob ich in der Tiefgarage meinen Wagen aufladen kann. Als ich ankomme, steht schon das ganze Rezeptionsteam an der Türe, um zu sehen, was denn da nun für ein Spinner mit seinem Elektro-Auto kommt.
P.S. Auf der Rückfahrt hatte ich schon dazugelernt und kam in München mit 80 km Reichweite an. Seitdem ist mein Autobahnergeiz nicht mehr, auf der linken Spur alles zu überholen, sondern möglichst konstant unter 25kw/h Verbrauch zu bleiben und damit das Maximum aus meiner Batterie zu holen.

